Was ist Tinnitus?

Der Begriff Tinnitus (lateinisch: Tinnitus aurium) definiert ein Problem im Ohr, bei dem der Betroffene Geräusche aller Art wahrnimmt, die keine äußere sichtbare Quellen besitzen. Der Tinnitus ist eine akustische Hörstörung, welche zusätzlich zum Umgebungsschall auf das Ohr wirkt. Das Tinnitus-Geräusch entsteht durch eine Störung der normalen Hörfunktion. Das Tinnitus-Hören hat nichts mit dem Umgebungs-Schall zu tun. Die Art der scheinbaren Geräusche ist sehr vielfältig. Es reicht vom Brummton oder Pfeifton, über Zischen, Rauschen, Knacken bis hin zu starkem Klopfen. Das Geräusch kann in seiner Stärke konstant sein, aber es kann auch einen rhythmisch-pulsierenden Charakter haben.
Dazwischen gibt es viele Abstufungen. Das gilt auch für die Lautstärke. Sie liegt zwischen kaum hörbar und stark störend. Wenn das "Klingeln in den Ohren", so die lateinische Übersetzung des medizinischen Fachausdrucks "Tinnitus", andere Geräusche übertönt, stört es die Konzentration bei der Arbeit ebenso wie die Erholung beim nächtlichen Schlaf.

Wenn aber Umgebungsgeräusche vollkommen fehlen, vernimmt fast jeder ein solches Rauschen. Diese Erkenntnis entstammt einer Untersuchung an normalhörigen Probanden von Morris Heller und Noe Bergman im Jahr 1953.
Weil die vermeintlichen Geräusche aber nicht auf akustische Signale von außen zurückgehen, sondern im Kopf produziert werden, nennt sie der Fachmann auch "Phantomgeräusche".


Wie häufig ist Tinnitus?

Entsprechend den im Internet bekannten Daten der Deutschen Tinnitus-Liga (DTL) leiden in Deutschland knapp vier Millionen Erwachsenen an Tinnitus, zwei Drittel davon dauerhaft. Jedes Jahr kommen rund 270 000 neue Patienten mit einem chronischen Ohrsausen dazu. 35 Prozent der Patienten hören die Phantomgeräusche nur bei Stille, bei 44 Prozent werden sie durch Umgebungsgeräusche überdeckt. Jeder Sechste hört das Klingeln auch noch bei Lärm. Insgesamt sind etwa 1,1 Prozent aller Deutschen von einem dekompensierten Tinnitus betroffen.


Wie entsteht Tinnitus?

Hinter einem Tinnitus steckt fast immer ein Problem des Hörsystems. Auf Störungen in diesem Bereich reagiert es oft mit schlechterem Hören, einer Überempfindlichkeit für Geräusche oder mit einem Tinnitus. Damit ähnelt dieses Sinnesorgan dem Auge, das auf Schäden ebenfalls mit Sehminderung, Lichtempfindlichkeit oder Lichtblitzen reagiert, die nur für den Betreffenden sichtbar sind.

Lärm oder auch giftige Substanzen können die äußeren Haarzellen der Hörschnecke schädigen oder gar zerstören. Damit geht ihre Funktion als Geräuschdämpfer verloren. Es kommt zum Tinnitus oder auch anderen Hörstörungen. Sind die inneren Haarzellen zusätzlich betroffen, können sie die Schallwellen nicht mehr richtig in entsprechende elektrische Nervenimpulse umsetzen. Das Phantomgeräusch entsteht dann durch fehlerhafte Impulse dieser Zellen. Solche spontanen elektrischen Impulse kann aber auch der Hörnerv selbst erzeugen. Auch an den Schaltstellen der betreffenden Nervenbereiche im Gehirn führen ungewollte Entladungen oder fehlende Rauschunterdrückung manchmal zu einem fehlerhaften Eindruck eines Umwelt-Geräuschs.

Tinnitus entsteht im Hörzentrum des Gehirns.
Schäden im Gehörgang führen aber nicht nur dort zum Verlust des Hörvermögens, sondern auch im Gehirn.
Dort verändern sich Nervenverschaltungen im Bereich der Hörrinde. Aufnahmen mit funktioneller Magnet-Enzephalographie zeigen, dass sich die Areale verändern, in der bestimmte Frequenzen im Gehirn abgebildet werden. Vergleicht man die Belastung durch den Tinnitus mit dem Ausmaß der Veränderungen im Gehirn, so korrelieren die beiden Variablen sehr stark.

Bei zwei von drei Fällen geht Tinnitus auf ein vermindertes Hörvermögen im Innenohr zurück. Die Betroffenen leiden dann unter zunehmend schlechterem Gehör als Alterserscheinung oder durch frühere Lärmbelastungen.
Aber auch die Menière-Krankheit (zusammen mit einseitigem Hörverlust und Drehschwindel) oder ein Hörsturz können das Ohrensausen auslösen. Generell sind die meisten Hörschäden mit einem Risiko für Tinnitus verbunden. Bei den restlichen Fällen bleibt die Ursache unklar.

Häufigste Ursachen für Tinnitus.

Nebenwirkungen von Medikamenten.
Auf Beipackzetteln vieler Medikamente findet sich oft Tinnitus in der Liste möglicher Nebenwirkungen. Bei Antidepressiva, Aminophyllin, Chinidin, Carbamazepin, Doxycyclin, Indometacin, Koffein, Salicylaten, Salbutamol, Tetracyclin, Tuberkulostatika und einigen anderen kommt es zuweilen zum Tinnitus. Meist ist das Rauschen dann aber dosisabhängig und reversibel. Bei Aminoglykosid-Antibiotika wie etwa Gentamycin, Kanamycin, Streptomycin, Neomycin, Bykomycin, aber auch Cisplatin sind jedoch auch bleibende Schäden möglich.


Ursachen objektiver Ohrgeräusche

Geräuschquellen
Erkrankungen als Ursache
Gefäßsystem
Glomus-Tumor des Felsenbeins
 
Glomus-Tumor des Felsenbeins
 
Glomus-caroticum-Tumor
 
AV-Fistel (arteriovenöse Fistel)
 
Angiome (geschwulstähnliche Neubildungen von Blutgefäßen)
 
Carotisstenosen (Verengung der Halsschlagader)
 
Anämie / Hyperglobulinämie
 
Gefäß-Mißbildung
Muskeln
Spasmen der Mittelohrmuskulatur
 
Myoklonus der Gaumenmuskulatur
Atemwege
Offene Tube
Ohr
Akute Mittelohrentzündung


Unter Zuhilfenahme von Informationen der Helios-Klinik in Erfurt - Fachbereich Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Plastische Operationen unter Professor Dr. med. Dirk Eßer