Wichtige Hinweise für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste im Umgang mit hörgeschädigten Menschen


TIPP 1 - Immer im Sichtbereich agieren
Hörgeschädigten Menschen nähert man sich grundsätzlich nicht von hinten!

TIPP 2 - Sprache und Artikulation
Die Sprache gut artikulieren, langsam und deutlich sprechen, aber nicht übertrieben langsam. In klaren, kurzen Sätzen sprechen. Hörgeschädigte Menschen müssen beim Hören wesentlich mehr denken, beziehungsweise kombinieren. Und dies wiederum bedeutet ein hohes Maß an Konzentration und Anstrengung. Günstig ist für die Betroffenen, wenn man ihnen vorher kurz den Inhalt des Gesprächs nennt. Sie wissen dann, um was es geht.

TIPP 3 - Nicht schreien
Beim Sprechen niemals schreien oder überlaut sprechen. Und die schon mal gar nicht, wenn der Hörgeschädigte nachfragt. Das Verstehen wird dadurch nicht besser, sondern schlechter und verzerrt. Hörgeschädigte Menschen sind in der Regel oberhalb der Hörschwelle auch viel lärmempfindlicher, als gut hörende Menschen. Und selbst bei Hörgeräteträgern wird durch überlautes Sprechen erst recht die Sprache im Hörgerät übersteuert.

TIPP 4 - Ansehen und Absehen
Es ist sehr wichtig, dem Hörgeschädigten bei einer Unterhaltung immer direkt ins Gesicht zu sehen. Viele Hörgeschädigte sind auf das Mundbild ihres Gegenübers angewiesen und benutzen das Mundbild zum Absehen von den Lippen. Kauen von Kaugummi ist daher grundsätzlich unterlassen. Es erschwert dem Hörgeschädigten nur zusätzlich das Verstehen, da er bedingt durch das Kaugummi-Kauen das Mundbild nicht sauber ablesen kann.

TIPP 5 - Blickkontakt
Vor Gesprächen ist es wichtig, unbedingt den Blickkontakt mit dem Hörgeschädigten herzustellen. Erst dann sollte man anfangen zu sprechen. Jedoch sollte man Hörgeschädigte niemals von hinten ansprechen. Eventuell das Gespräch mit Handzeichen beginnen, um den Hörgeschädigten damit zu signalisieren, dass man etwas von ihm möchte. Auch bei der Benutzung von Hörgeräten (HG) oder Cochlea Implantaten (CI) brauchen Hörgeschädigte zum guten Verstehen das Mundbild des Gesprächspartners.
Bitte beachten: auch ein sehr gutes Hörgerät ersetzt nicht zu 100% das normale Gehör!

TIPP 6 - Nicht vom Absehen ablenken
Etwas anzusehen und gleichzeitig zuzuhören ist für hörgeschädigte Menschen sehr problematisch. Daher ist es besser, dem Betroffenen zuerst etwas zu zeigen und erst dann über das Thema zu sprechen (z.B. beim Unterzeichnen eines Formulars).

TIPP 7 - Beleuchtung
Die Einsatzkräfte der Polizei, Feuerwehr oder Rettungskräfte dürfen beim Sprechen mit einem Hörgeschädigten nicht im Gegenlicht stehen, da ihr Gesicht gut sichtbar sein muss. Nur so ist ein optimales Absehen von den Lippen möglich.

TIPP 8 - Nebengeräusche vermeiden
Nebengeräusche werden von einem Hörgeschädigten bei einem Gespräch als sehr störend empfunden. Während der Unterhaltung sollte daher kein Radio, beziehungsweise keine Hintergrundmusik sein. Bei Gesprächen in Räumen oder einem Einsatzfahrzeug ist unbedingt darauf zu achten, dass Fenster und Türen geschlossen sind.

TIPP 9 - Hörgeschädigter als einziger Gesprächspartner
Bei einem Gespräch sollten niemals Nebenbemerkungen gemacht werden. Ebenso soll man sich beim Sprechen mit dem Hörgeschädigten nicht anderen Personen zuwenden. Hörgeschädigte hören zwar dann etwas, verstehen es aber nicht und könnten es gegen sich auslegen. Das macht misstrauisch und stört das notwendige Vertrauensverhältnis zwischen dem Hörgeschädigten und dem Helfer.

TIPP 10 - Mehrfach dasselbe sagen
Fragt der Hörgeschädigte nach oder hat er etwas missverstanden, ist nicht mehr Lautstärke erforderlich für das bessere Verstehen, sondern es reicht völlig aus, den Satz noch einmal langsam zu wiederholen.

TIPP 11 - Offene Fragen stellen
Die Einsatzkräfte sollen es tunlichst vermeiden, einem Hörgeschädigten Fragen zu stellen auf die er einfach mit "Ja" oder "Nein" antworten kann. Hörgeschädigte neigen nämlich dazu, voreilig diese beiden Wörter zu gebrauchen.

TIPP 12 - Wichtige Informationen schriftlich geben
Wichtige Informationen sind dem Hörgeschädigten nur in schriftlicher Form weiterzugeben. Schwierig zu verstehen sind für Hörgeschädigte zum Beispiel "Namen" und "Zahlen". Das kommt daher, weil diese keinen logischen Aufbau haben. Bei solchen Angaben müssen sich die Einsatzkräfte daher unbedingt vergewissern, ob sie richtig verstanden wurden.

TIPP 13 - Gebärdensprachdolmetscher sind nur Mittler
Bei einer Unterhaltung mit einem Gehörlosen wird auch in Anwesenheit eines Gebärdensprachdolmetschers das Gespräch immer direkt mit der gehörlosen Person geführt und nicht mit dem Vermittler. Sollte kein Dolmetscher zur Verfügung stehen und keine ausreichende Kommunikation zu Stande kommen, kann man gegeben Falls versuchen, sich mit dem Gehörlosen auch schriftlich zu verständigen. Hierbei ist aber unbedingt zu berücksichtigen, dass Gehörlose der Schriftsprache nicht in jedem Fall mächtig sind. Darüber hinaus schreiben Gehörlose genau so, wie sie auch gebärden. Diese "Schreibweise" ergibt für hörende Personen oft keinen Sinn und ist daher nur schwer zu verstehen.